Statistik aktuell - Geburten und Sterbefälle in Deutschland

Der demografische Wandel zeigt sich in Deutschland deutlich in der Veränderung der Altersstruktur der Gesamtbevölkerung und damit auch in der Entwicklung von Geburtenzahlen und Sterbefällen. Bei der Interpretation sind stets alterspezifische Entwicklungskomponenten zu beachten. Wir haben für Sie aktuelle Daten des Statistischen Bundesamtes (Destatis) ausgewertet.  

Sterbefälle 2016 bis 2021

Die Gesamtbevölkerungszahl in Deutschland ist zwischen 2016 und 2021 um 0,9 % auf 83.237.124 Personen gestiegen. Die Zahl der Personen in der Altersklasse 85 Jahre und älter ist im gleichen Zeitraum um rund 17 % von 2.246.939 auf 2.625.444 Personen gestiegen. Damit lebten in Deutschland zum 31.12.2021 378.505 Personen mehr im Alter 85 Jahre und älter als noch zum 31.12.2016.

Die Zahl der Sterbefälle betrug im Jahr 2021 insgesamt 1.016.807. Im Jahr 2016 waren es noch 906.309 Sterbefälle. Der absolute Anstieg zeigt sich aufgrund der relativ konstanten Bevölkerungszahl auch in einem leichten Anstieg der gemittelten Sterberate. Die altersgemittelte Sterberate lag im Jahr 2016 bei 1,10 % und ist bis zum Jahr 2021 auf 1,22 % gestiegen. Darin äußert sich jedoch vor allem der Effekt der relativen und absoluten Zunahme der Anzahl der Personen im Alter über 60 Jahre, in der rund 90 % aller Sterbefälle auftreten.

Bei aktueller Altersstruktur der Bevölkerung treten über 55 % aller Sterbefälle in der Altersgruppe 80 Jahre und älter auf. Aufgrund des natürlichen Zusammenhangs zwischen Alter und Sterbewahrscheinlichkeit ist ein Anstieg der Zahl der Sterbefälle bei zunehmender Zahl von Personen im Alter ab 60 bzw. 80 Jahren zu erwarten. Betrachtet man allein die Entwicklung der gemittelten Sterberate für die Personen im Alter von 85 Jahren und älter zwischen 2016 und 2021, so erkennt man eine relativ stabile gemittelte Sterberate um 15 %. Schwankungen können maßgeblich durch eine veränderte Besetzung der einzelnen Altersjahre ab 85 erklärt werden. Die Sterbewahrscheinlichkeit hat sich für die einzelnen Altersjahre in der Altersklasse seit 2016 nicht wesentlich verändert.

Auffällig im Vergleich aller betrachteten Jahre ist die saisonale Entwicklung der Sterbefälle in den Jahren 2020 und 2021. Besonders im Jahr 2021 zeigt die altersgemittelte Sterberate einen ungewöhnlichen Anstieg in der zweiten Jahreshälfte ab der 36. Kalenderwoche. In der Altersklasse 50 bis 65 Jahre liegt die gemittelte Sterberate im Jahr 2021 durchgängig auf hohem Niveau und zeigt im Jahresverlauf auffällige Spitzen um die 18. (Anfang Mai) und 49. Kalenderwoche (Anfang Dezember). Eine jährlich leicht steigende gemittelte Sterberate in dieser Altersklasse ist durch die zunehmende relative und absolute Anzahl der über 60 Jährigen durchaus zu erwarten. 

 

Geburten 2012 bis 2021 (2022)

Die Zahl der Frauen im Alter zwischen 15 und 49 Jahren ist in Deutschland zwischen 2012 und 2021 um rund 0,7 % auf 16.643.649 gesunken. Die Zahl der Geburten ist im gleichen Zeitraum um rund 15 % von 673.544 (2012) auf 795.492 (2021) gestiegen. Dies führt zu einer steigenden gemittelten Fertilitätsrate in der Altersgruppe der Frauen zwischen 15 und 49 Jahren. Auffällig dabei ist der deutliche Anstieg der jährlichen Geburtenzahlen ab 2016.

Überlagert man die Entwicklung der Zahl der Frauen nach Alter mit einer typischen Kurve der altersspezifischen Fertilitätsrate, so wird eine weitere Korrelation erkennbar. Seit ca. 2016 schiebt sich eine leichte "Welle" mit einer auffällig hohen Anzahl von Frauen durch die Altersjahre mit der höchsten alsterspezifischen Fertilitätsrate. Diese "Welle" lag im Jahr 2017 noch in der Altersgruppe 26 bis 32. Im Jahr 2021 lag diese zwischen 30 und 36 Jahren. Damit hat diese "Welle" im Jahr 2021 den Scheitelpunkt der Fertilitätskurve bereits durchschritten. Ein Rückgang der Geburtenzahlen ist bei gleichbleibender altersspezifischer Fertilitätsrate aufgrund des zu erwartenden absoluten Rückgangs der Zahl der Frauen im gebärfähigen Alter und einer relativen Verschiebung der Besetzung der Altersgruppen hin zu geringeren altersspezifischen Fertilitätsraten durchaus zu erwarten.

Wendet man ein einfaches Hochrechnungsverfahren der vorläufigen Geburtenzahlen für die Monate Januar bis April auf einen Gesamtjahreswert an, so sinkt die gemittelte Fertilitätsrate für das Jahr 2022 unerwartet stark und läge damit leicht unter den Referenzjahren 2012 und 2013. Eine fundierte Interpretation dieser hochgerechneten Geburtenzahlen ist aus unserer Sicht aufgrund möglicher saisonaler Schwankungen und auch anderer möglicher Einflussfaktoren über den Jahresverlauf nicht möglich.