Kann Künstliche Intelligenz (KI) Stadt- und Raumplaner ersetzen?

Die Aufgabe der Stadt- und Raumplaner ist die Koordinierung der unterschiedlichen Nutzungsansprüche an Räume vor dem Hintergrund der gesellschaftlichen Ziele und Wertvorstellungen. Durch ihr integriertes Planungsverständnis sorgen sie für einen effizienten Umgang mit knappen Ressourcen und den Funktionserhalt der gebauten Umwelt. Ein erheblicher Teil der Planungsarbeit basiert auf Daten und Fakten. Der größere Teil beruht zumeist auf sozialen und politischen Austauschprozessen über Interessen, Wertvorstellungen und Meinungen. Im Planungsprozess werden beide Arten von Informationen kombiniert, um die bestmöglichen Entscheidungen zu treffen. Trotz projekt- und ortsspezifischer Unterschiede basieren die zugrunde liegenden Planungsprozesse auf einer gemeinsamen Logik. Fakten, Werturteile, Vorhersagen und andere Formen von Informationen werden in Regeln verwandelt. Der formelle Teil der Planung wird oft durch „Wenn-Dann-Bedingungen“ begründet. Zum Beispiel: Wenn ein Bauvorhaben nicht den Bauvorschriften entspricht, dann kann es nicht genehmigt werden. Doch diese einfachen „Wenn-Dann-Bedingungen“ betreffen eben nur einen Teilaspekt der Planungspraxis.

Auch künstliche Intelligenz (KI) nutzt Regeln und kann diese selbstständig verfeinern. KI kann schnell und sicher Informationen bewerten, Muster erkennen, die Muster in vorgegebene Variablen übersetzen, die Variablen anhand von Schwellenwerten messen, die am höchsten bewertete Option bestimmen und auch eine Auswahlentscheidung treffen. Selbtslernende Maschinen bieten im Wesentlichen nochmals komplexere mathematische Verfahren zur Mustererkennung. Das menschliche Lernen wird dabei aber nur nachgeahmt, denn dieses beruht zudem auf Interaktionen und Emotionen. Das perfekte Einsatzgebiet der KI ist dort, wo eine eindeutige Logik auf eine große Datenmenge trifft und zwischenmenschliche Aushandlungsprozesse den Bewertungs- und Entscheidungsprozess nicht beeinflussen (sollen). Jede KI benötigt einen großen Datensatz und eindeutige Regeln für dessen Nutzung. Die Ergebnisse spiegeln damit immer auch die Annahmen und Vorgaben der Entwickler und Anwender wider. Logikfehler bei Annahmen und Vorgaben führen auch bei modernster KI immer zu Ergebnisfehlern. Die Gefahr für künstliche Dummheit ist entsprechend hoch!

Wenngleich die Abläufe von räumlichen Planungsprozessen noch weitestgehend unberührt von einer digitalen Transformation sind, werden Transformationsmöglichkeiten bereits in der Praxis erprobt. Im Bereich der Regionalplanung werden zum Beispiel Ziele und Planungsvorgaben in digitale Algorithmen übersetzt und automatisierte Raumbewertungsprozesse durchgeführt. Im Zusammenspiel mit statistischen Prognosen und Bedarfsmodellen werden kommunale Flächenkontingente abgeleitet. Noch erzeugen diese automatisierten Bewertungsprozesse in der räumlichen Planung viele fehlerhafte Ergebnisse. Dies liegt vor allem an der Qualität der Datengrundlagen. Es liegen zu wenige Datengrundlagen digital vor oder sie bieten nicht die erforderliche Qualität und Aktualität. Zudem wird nicht gelungen, auch die notwendigen qualitativen Planungselemente und verschiedenen Interessenlagen systematisch in eine eindeutige mathematische Logik zu überführen. Kurz: Eine Prozessautomatisierung ist in vielen Bereichen der räumlichen Planung unwahrscheinlich bzw. mathematisch nicht möglich, die Wahrsheinlichkeit für unsinnige Planungsentscheidungen ist dafür im ein Vielfaches höher. Die automatisierten Bewertungsprozesse benötigen eine ständige Expertenkontrolle. 

Der gesamte Prozess des Planens und Bauens kann  nicht durch „Maschinen“ ersetzt werden. Voraussetzung dafür wäre eine Welt, in der sämtliche Entscheidungen und auch das Leben selbst nur nach eindeutigen „Wenn-Dann-Bedingungen“ abliefen und der "freie Wille" sowie das Handeln unbekannt sind. Die Realität funktioniert so aber nicht. In der Planungspraxis handeln Menschen. Quantitative und qualitative Informationen werden kombiniert und durch Aushandlungsprozesse, Fachwissen, Empathie und Kreativität zu gesellschaftlich akzeptierten Zielen und Maßnahmen geformt. Digitale Lösungen und KI können aber den Planungsalltag von Stadt- und Raumplanern ungemein unterstützen. Die digitale Transformation räumlicher Planungsprozesse muss genau hier ansetzen. Sie muss die tägliche Arbeit erleichtern und digitale Lösungen müssen sich in tausendfach bewährte Planungsprozesse einfügen. Diese digitalen Lösungen sind intuitiv bedienbar und arbeiten in Echtzeit mit stets aktuellen Datengrundlagen, die die tatsächliche Realität der gebauten Umwelt und der Naturräume richtig abbilden. Diese Lösungen werden bereits von Planungspraktikern entwickelt. 

Solche Lösungen finden Sie bei unserem Kooperationspartner FORPLANER GmbH.
www.forplaner.de.

 

Ein Buchtipp: Jobst Landgrebe, Barry Smith (2022): Why Machines Will Never Rule the World: Artificial Intelligence without Fear.