Qualitätsstandards in der wissenschaftlichen Politikberatung

Wissenschaft hört da auf, wo auf Positionen dogmatisch beharrt wird und politisches Handeln oder gar Ideologien unter dem Anschein der Wissenschaftlichkeit gerechtfertigt werden.

Trotz vieler anders lautender Studienergebnisse wurde von einer wissenschaftlichen Beraterin des Gesundheitsministeriums die Effektivität der bisher getroffenen Corona-Schutzmaßnahmen, insbesondere der Maskenpflicht, aufgrund des bisherigen Verlaufs der COVID-19 Epidemie in Deutschland bestätigt. Die gleiche Beraterin bezeichnet das Coronavirus als "heimtückisch", weil es schnell viele Menschen infiziere, diese Menschen aber in der Regel nicht oder nur leicht erkrankten.

Es stellt sich die Frage, auf welcher Basis diese Aussagen getroffen werden. Es ist bei der Bewertung der Effektivität der Maßnahmen davon auszugehen, dass auf die bisherigen Prognosen zum Epidemieverlauf Bezug genommen wurde. Aus der Differenz einer prognostizierten Entwicklung und einem realen Verlauf kann jedoch nur unter sehr abgesicherten Bedingungen eine Kausalität zu den getroffenen Maßnahmen hergestellt werden. Hierzu meint Marc Lucas Schulten, Inhaber von SSR:

„Die Prognose ist im Rahmen der Strategieentwicklung ein geeignetes Instrument, um die Folgen verschiedener Handlungsoptionen bei bekannten Maßnahmeneffekten zu veranschaulichen. Prognosen basieren in der Regel auf mathematischen Modellen, die die Realität abstrakt abbilden. Es ist eine Vielzahl von Annahmen für eine Prognose erforderlich. Unter diesen Bedingungen wurden auch die Zahl schwerer Erkrankungen und Sterbefälle der COVID-19 Epidemie mit einem Prognosemodell berechnet. Die Notwendigkeit der Corona-Schutzmaßnahmen wurden ja von Anfang an vor allem mit den Ergebnissen der Prognosen begründet. Für die meisten getroffenen Maßnahmen fehlt bisher jedoch jede Evidenz in Bezug auf die Ausbreitung einer Atemwegserkrankung mit SARS-CoV-2.

Weicht nun in der Realität die tatsächliche Anzahl der schweren Erkrankungen und Sterbefälle von den prognostizierten Zahlen ab, dann kann das ein Hinweis auf die Effektivität der getroffenen Maßnahmen sein. Es kann aber auch daran liegen, dass die getroffenen Annahmen und damit die Modellberechnungen falsch sind – die Corona-Schutzmaßnahmen also gar keinen Effekt hatten. Ich hoffe, dass dieser Umstand sorgfältig überprüft und die Evidenz der getroffenen Aussagen durch die wissenschaftliche Beraterin sorgfältig abgesichert wurden."

 

Pressetext vom 15.11.2020.